,,Da Leni Ihr Zug,,

Leni Bretzel

erinnert sich an die Änfänge des Lindania-Faschings

Am Faschingsdienstag des Jahres 1954 zog ich als Esel verkleidet mit Taschen voller Bonbons durch das Lindenviertel und beschenkte die Kinder, die mir schnell, wie dem Rattenfänger von Hameln nachliefen.

Am Nachmittag des Faschingssontags 1955 lag ich mit einer Mandelentzündung im Bett, während um das Haus eine Herde von Kindern tobte und lautstark alle möglichen Kinderspiele spielten.

Um etwas Ruhe zu bekommen, versprach ich den Kindern, am Dienstag mit ihnen einen Faschingszug zu veranstalten.

Damals ahnte ich natürlich nicht, das aus dieser spontanen Idee der ,,Lindwurm,, und der ,,Lindania-Fasching,, entstehen würde!

Aus Dekorationsstoffen schneiderten mein,,Guter Geist,, die Resi und ich in aller Eile Gewänder für unser Kinder-Prinzenpaar, die Hierl-Traudl und den Eiber-Willi.

Der Leiterwagen vom Hierl-Vater diente den beiden als Gefährt, das von Menschenhand durch die Straßen des Lindenviertels gezogen wurde.

Kinder im Narrengewand, als Indianer, Cowboys und Japaner verkleidet zogen dem Prinzenpaar hinterher. Die mehrköpfige Musikkapelle, die dem ,,Lindwurm,, vorausging, machte mit den Schlägen von Kochlöffeln auf die leeren 10-litrigen Sauerkraut und 8-litrigen Bratheringsdosen einen Höllenlärm!!! Dazu spielte der Moser-Helmut mit seiner Mundharmonika.

Ich selbst führte den Zug an! Ich hatte mir einen lustigen Cowboyhut gebastelt und mir aus einem Zuckersack aus Jute ein Gewand geschneidert, das einem Kimono glich. So zogen wir von meinem Laden aus über die Sommerstraße und an der Gastätte Meiler vorbei durch das Lindenviertel.

Am Ende bedankte ich mich bei den Teilnehmern und warf Bonbons und andere Schleckerla unter die Kinder.

DER LINDENVIERTEL-FASCHING WAR GEBOREN!!!

 

Im Jahr darauf bekam ich in meinen Vorbereitungen zum Fasching schon die ersten Herferinnen aus der Nachbarschaft. Es waren die Mütter, von den am Faschingszug beteiligten Kindern, So wuchs der ,,LENI IHR FASCHINGSZUG,, wie er bald im Lindenviertel genannt wurde, von Jahr zu Jahr und schon bald nahmen auch Erwachsene teil daran!

 

Raimund Pöllmann, damals junger Zeichenlehrer an der Lindenschule, bastelte mit seinen Kindern fantasievolle Verkleidungen aus alten Pappschachteln und beteiligte sich ebenfalls am zug. Schließlich kamen auch noch weitere Erwachsene zu ,,meinem,, Faschingszug hinzu, den ich mir ursprünglich nur für die Kinder ausgedacht hattte. Schließlich gehörte eine Gruppe von 12Personen zum engeren Kreis des ,,Organisations-Komitees,, mit Elfer-Rat, Hofmarschall und Hofnarr!

 

Wir wählten neben dem Kinderprinzenpaar auch ein Prinzenpaar mit Erwachsenen, das sich im offenen VW-Cario vom Willi Kiessling präsentierte und auch das Cabrio vom Bäcker-Fritsch wurde schließlich im Zug mit eingebaut.

Ein eigener ,,Ehrenbürgermeister des Lindenviertels,, in Gestalt des Heiland-Vaters nahm pilitische Themen auf und äußerte sich in der ,,Gerichtsverhandlung,, zu allen möglichen Geschehnissen, die sich in der großen und kleinen Politik und im Zusammenleben der Bewohner der Stadt im Verlauf des letzten Jahres ereignet hatten.

Es war ein Vorläufer der jetzigen Prunksitzung der Lindania. Etwa 10Jahre nach dem bescheidenen Anfängen hatte ,,unser,, Lindenviertel-Fasching bereits beträchtliche Ausmaße erreicht.

 

Handwerklich geschickte Mitarbeiter gestalteten in aller Heimlichkeit aufwändige Themenwägen, wobei mir der ,,Hau-den-Lukas-Wagen,, besonders gut im Gedächtnix ist.

 

Damals kommentierten wir den Bürgermeister-Wahlkampf zwischen Dr. Josef Pichel und seinem Herausforderer Josef Fretschner.

In lustiger Art brachten wir die Unzufriedenheit an einzelnen Geschehnissen oder an einzelnen Personen an die Öffentlichkeit.

Als die Kinder der Gärtnereien Lingl und Zuckschwert das Prinzenpaar bildeten, da ließen sich die Eltern nicht lumpen und präsentierten Ihre Kinder auf einem über und über mit Blumen geschmückten Prunkwagen.

Eigens erstellte ,,Faschingszeitungen,, wurden schließlich gestaltet und verkauf und brachten etwas Geld, mit dem wir unsere Faschingswägen finanzierten.

Viel Kosten ersparte uns beim Gestalten der Repräsentations- und Lindwurm-Prinzwägen die kundige Hand von Lydia Schwab, die uns mit Ihrem Können als Fachdekorateurin eine große Hilfe war und uns unvergesslich sein wird.

 

Die politische Prominenz der Stadt kam inzwischen genauso zu uns, wie die Gesamtbevölkerung Schwandorfs.

Auf rund 6500Personen schätzte am Anfang der 1960er Jahre das ,,Tagblatt,, die Besucher, die den Zugweg säumten.

Hunderte von Zuschauern beobachteten damals den Zug von der neuen Adenauerbrücke aus.

Ich wünsche dass der ,,Fasching im Lindenviertel,, der vor über 50Jahren als kleines Pflänzchen begann, auch in den kommenden 50Jahren blühen und gedeihen und die Faschingstradition in Schwandorf weiterleben möge!

 

LINDWURM-OHO!!!!

 

 

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